SCHWEDISCHES DESIGN 17/4–25/5
— TRADITION UND ZUKUNFT

 

17. April – 25. Mai 2003
Mo-Fr 1000-1900 Uhr, Sa-So 1000-1700 Uhr
Felleshus der Nordischen Botschaften,
Rauchstr. 1, 10787 Berlin-Tiergarten.

Die Möbelherstellung im Schweden des 18. Jahrhunderts ist geprägt von einer einzigartigen Kombination aus altem schwedischen Handwerk und der Fähigkeit, die zu jener Zeit in Frankreich vorherrschenden Stilelemente aufzugreifen. Darüber hinaus ist Schweden weitestgehend von den Katastrophen verschont geblieben, die den europäischen Kontinent in den vergangenen 250 Jahren erschütterten. Viele Gegenstände, die in anderen Ländern Europas kaum mehr existieren, sind in Schweden sowohl als importierte als auch als imitierte Gegenstände mit klarem und kreativem Blick auf die Vorbilder bewahrt. Das einschneidende Erlebnis französischer Kunstwissenschaftler, in Schweden ein so umfangreiches Kulturerbe vorzufinden, zu dem auch Gegenstände gehörten, die in der eigenen Heimat durch Revolutionen und Kriege verloren gegangen waren, war eine treibende Kraft hinter der vor zehn Jahren gemeinsam mit französischen Museen vorbereiteten und sowohl in Stockholm als auch in Paris gezeigten Ausstellung "Solen och Nordstjärnan" (Die Sonne und der Nordstern). Ihr reiches Kulturerbe hat es schwedischen Handwerkern und Formgebern auch erleichtert, Gegenstände ausgehend von einem soliden, traditionellen Wissen wieder zu erschaffen und neu zu gestalten.

In dieser Ausstellung treffen Originale auf Möbel, die hergestellt wurden, um ein Handwerk am Leben zu erhalten, das sich an den dem Holz innewohnenden Eigenschaften orientiert und das — ohne sich dessen bewusst zu sein — all jene Rücksicht auf Natur und Umwelt nimmt, die die Welt heute in jedem Schritt des Produktionsprozesses hinterfragt.
Die Möbelkollektion, die vom schwedischen Zentralamt für Denkmalpflege initiiert, von IKEA umgesetzt und nun von MOVE möbler für das Nationalmuseum hergestellt wird, gab schwedischen Möbeltischlern die Gelegenheit zu zeigen, dass es noch immer möglich ist, auf alte Weise Qualität zu produzieren und dass Stahlschrauben und Zweikomponentenleim noch immer durch Holzbolzen und das Verzinken ersetzt werden können. Liegt darin eine Bedeutung, die über Nostalgie und Snobbismus hinausgeht? Wir vergessen leicht, dass eine Mehrheit der heutigen Weltbevölkerung in ihrem täglichen Leben Techniken anwendet, die am ehesten denjenigen gleichen, die bei uns vor zweihundert Jahren zum Einsatz kamen. Diese Ausstellung vermittelt die Botschaft, dass praktische, formschöne und umweltfreundliche Gebrauchsgegenstände auch in einer Welt hergestellt werden können, die allzu leicht den Kontakt zum Qualitätsbegriff verliert.

Mats Theselius geht einen Schritt weiter, indem er das den Traditionen innewohnende Potential zur Erneuerung erkennt und nutzt. Die klassischen Möbelformen sind Ergebnisse eines langen schöpferischen Prozesses, in dem die Zweckmäßigkeit ein wichtiges Element darstellt, in dem aber auch die naturgegebene Schönheit und Formbarkeit des Materials eine entscheidende Rolle spielt. Mit großem Interesse widmet sich Mats Theselius der Frage, wie altes Handwerk die Formgebung von Gebrauchsgegenständen beeinflusst hat — und nutzt seine Erkenntnisse auch für radikale Neuschöpfungen. Mats Theselius ist noch einen Schritt weiter gegangen, der — im Verhältnis zum so genannten modernen Projekt — als gewagt erscheinen mag und als möglicherweise natürlicher angesiedelt in einer postmodernen Ära. Er arbeitet mit dem Maler Pär Andersson, seinem Vater, zusammen, um eine Ornamentik für die neuen Möbel zu entwerfen. Der Künstler Pär Andersson seinerseits schafft eine starke Legierung eines Klassizismus im Geiste Poussins und einer schwedischen, in der Volkskunst verankerten Malerei, in der die Freude am Dekorieren mit Formen aus der Natur eine große Rolle spielt. Ein interessantes, die Bande zur Vergangenheit stärkendes Detail ist das alte schmiedeeiserne Schloss des Schrankes — ein spektakuläres Element in der Gestaltung der Möbel.

Diese Ausstellung ist eine lusterfüllte Rückbesinnung auf die Möglichkeit, ausgehend von Traditionen etwas Neues zu gestalten und einem Material, das Menschen jahrhundertelang ein Gefühl von Wohlbehagen und Qualität vermittelt hat, neue Erlebnisse der Sinne zu entlocken. Genauso wenig, wie die Welt immer alt bleibt, ist sie immer ganz neu. Ob wir es wollen oder nicht, wir leben im Dialog zwischen dem, was war, dem, was ist und dem, was sein wird.

Mit dem 18. Jahrhundert einen Dialog zu führen, bedeutet, mit einer Epoche zu kommunizieren, in der die Grundlagen der modernen Gesellschaft geschaffen wurden. Im Zeitalter der großen Nachschlagewerke werden die Wurzeln des menschlichen Denkens mit all ihren Licht- und Schattenseiten beleuchtet. Wir werfen Ballast ab, verabschieden uns von vielen Vorurteilen und verstehen es mittlerweile immerhin, das Wort Toleranz wenigstens zu buchstabieren. Es hat sich zudem erwiesen, dass es wesentlich länger dauert, dem Inhalt dieses Wortes gerecht zu werden — wie lange, bleibt abzuwarten. Auf alle Fälle aber haben wir gelernt, besser zu sitzen, und ein Mensch, der sich in seinem alltäglichen Leben wohl fühlt, sollte nicht unterschätzt werden, wenn es um die Gestaltung der Zukunft der Menschheit geht.

Olle Granath
ehemaliger Oberintendant des Nationalmuseums in Stockholm



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